Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg

 
 
 
 
 
 
 
 
Eva Schürmann




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 Der Lehrstuhl für Philosophische Anthropologie, Kultur- und Technikphilosophie bearbeitet den Zusammenhang dieser drei Felder unter besonderer Berücksichtung von Medien und Medialität. Eine zeitgemäße Form philosophischer Anthropologie ist nicht mehr als kulturinvariante Wesensbestimmung des Menschen im Vergleich zum Tier möglich, sondern fragt nach menschlichen Selbst- und Weltverhältnissen unter den Bedingungen von kulturellen Praktiken, Techniken und Medien. Philosophische Anthropologie ist daher als Teil der Interpretationsphilosophie und -praxis zu begreifen, die nicht nach dem Was des Menschen, sondern nach dem Wie des Menschseins fragt. Für die menschliche Lebensführung ist Medialität ein Transzendental, weil sowohl technische Mittel wie auch kulturelle Vermittlungsleistungen durch symbolische Formen wie Sprache und Bild fundierende Voraussetzung aller kultureller Praktiken bilden. Die perspektivierenden Darstellungs- und Verkörperungsleistungen von Medien haben kaum zu überschätzende Auswirkungen auf menschliche Selbst- und Weltbilder.

Die Verschränkung des medientheoretischen und des anthropologischen Diskurses basiert auf der Einsicht, dass Menschsein aus Medialität heraus begreif- und beschreibbar ist, indem es sich in jeweiligen Darstellungsformen verkörpert und durch situative Rahmenvoraussetungen konditioniert ist. Dies schließt kulturphilosophische Bestimmungen des Menschen durch Exzentrizität, Bildfähigkeit, Sprachbesitz, Einbildungskraft, Spiel usw. nicht aus, sondern betont im Gegenteil die grundlegenden Verwiesenheit auf Vermittlungsformen aller Art, seien diese symbolischen Formen, technische Strukturen oder auch Bewusstseinsleistungen.

Mit animal mediale ist ein menschliches Subjekt gemeint, das im Gebrauch seiner Mittel, und diese umfassen die Technik und Techniken, Sinne und Repräsentationssysteme, Apparate und Diskurse, dasjenige verwirklicht, als was es sich und die Welt auslegt, darstellt, wahrnimmt. Gemeint ist damit immer noch jemand, der geboren wurde und sterben wird, der einen Körper hat, der ein Leib ist, der zu sich selbst Ich sagen kann und sich eben darin von sich unterscheidet, der aufgrund seiner Exzentrizität sein Wollen wollen kann und sich in verschiedenen Rollen verkörpern und erscheinen muss. Aber dieser jemand wird gedacht unter Berücksichtigung der Narrative, Interpretationsprozesse und Darstellungsmedien, die all dies dispositionell konditionieren, und damit den Rahmen abstecken, innerhalb dessen ein personales Leben geführt werden kann.



Letzte Änderung: 22.10.2015 - Ansprechpartner: